Leistenbruch (Leistenhernie, Bauchwandbruch, Nabelbruch)

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Fotos: Marion Koell www.marionkoell.com

Dr. Moser (links) bei der Arbeit


Leistenbrüche gehören zu den häufigsten operationspflichtigen Erkrankungen überhaupt. In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich über 200.000 - 230.000 Leistenhernienoperationen stationär durchgeführt. Dies entspricht einem Anteil von etwa 15% aller durchgeführten allgemeinchirurgischen Operationen.

Während in den USA und den Nordeuropäschen Ländern Leistenhernienoperationen fast ausschliesslich ambulant operiert werden, beträgt der Anteil in Deutschland noch immer zwischen 10%-20% 

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Seit 10 Jahren werden in unserer Praxis von Dr. Moser 100-200 Leistenhernienoperationen pro Jahr ambulant durchgeführt.  

Definition

Ein Leistenbruch (Leistenhernie) ist eine Ausstülpung des Bauchfells durch einen angeborenen oder erworbenen Defekt in der Bauchwand. Männer sind von der Erkrankung 6 bis 8 mal häufiger betroffen als Frauen.

Der Leistenbruch besteht aus 3 Anteilen, der Bruchpforte (Bauchwandlücke), dem Bruchsack (vorgefallenes Bauchfell) und dem Bruchinhalt (Teile von inneren Organen, die in den Bruchsack gerutscht sind). 

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Die Entstehung eines Leistenbruchs im Erwachsenenalter hängz von mehreren Faktoren ab.

Die Leistenregion hat mehrere anatomische Schwachstellen. Prinzipiell liegt bei der Entstehung eines Leistenbruches immer eine Schwächung der Bauchwand in Kombination mit einer länger andauernden (Schwangerschaft, chronische Verstopfung, Prostatavergrößerung) oder kurzfristigen (Husten, Pressen beim Stuhlgang) Druckerhöhung des Bauchinnenraums vor.

Weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Leistenhernien sind Stoffwechselstörungen, Eiweißmangelsyndrome und Übergewicht. Aber auch schwere körperliche Arbeit und Leistungssport können die Entwicklung von Leistenbrüchen fördern.

Entstehung der Leistenhernie

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Das Vorhandensein einer Leistenhernie basiert immer auf einem Defekt der inneren Bindegewebsplatte, der sog. Fascia transversalis. Diese stellt die Hinterwand des Leistenkanals dar, der schräg durch die Bauchdecke zieht. Durch den Leistenkanal ziehen beim Mann der Samenstrang und bei der Frau das runde Mutterband (Ligamentum rotundum). Daneben finden sich Nerven und versorgende Gefäße

Symptome

Am Anfang kommt es in der Regel zu Schmerzen in der entsprechenden Leistengegend. Diese treten häufig nach körperlichen Belastungen auf, kommen aber später zunehmend auch in Ruhe vor.

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer belastungsabhängigen Schwellung unter der Haut, die meist im Liegen wieder verschwindet.

Die Leistenhernie kann sich zu einem chirurgischen Notfall entwickeln, wenn es zu einer Einklemmung ("Inkarzeration") von Bruchinhalt (Darmanteile) in der Bruchlücke kommt. Dieser Zustand ist durch das Auftreten von massiven Schmerzen gekennzeichnet ist und stellt eine sofortige Operationsindikation dar.

Therapie

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Wird die Diagnose einer Leistenhernie gestellt, steht in der Regel die Indikation zur elektiven chirurgischen Therapie, da bei jeder Hernie prinzipiell die Gefahr der Einklemmung von Bauchorganen besteht.

Konservative Methoden wie Bruchbänder oder örtliche sklerosierende Maßnahmen sollten der Vergangenheit angehören. Einzige Ausnahme sind Patienten mit fortgeschrittenem, präterminalem Tumorleiden.

Schwerwiegende Nebenerkrankungen (Organinsuffizienzen) stellen aufgrund der Möglichkeit der Lokalanästhesie keine Kontraindikation zur Operation dar.

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Grundsätzlich unterscheidet man heute 3 operative Verfahren:

  • offenes Verfahren ohne Netz (Shouldice)

  • offenes Verfahren mit Netz (Lichtenstein)

  • Laparoskopische Verfahren (TAPP)

Ziel aller Operationen ist der Verschluß der Bruchpforte und die Verstärkung der Hinterwand der Bauchdecke in der Leistenregion.

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Shouldice Operation

Dies wird bei der Shouldice-Operation durch eine fortlaufende Naht gewährleistet. Nachteil dieser Operationstechnik ist die auftretende Gewebespannung, die zu einem Einreißen der vernähten Gewebeschichten führen und damit das Wiederauftreten eines Bruches begünstigen kann.  

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Lichtenstein Operation

Bei der offenen Operation nach Lichtenstein wird die Bruchlücke durch ein von vorne aufgelegtes Kunstoffnetz bedeckt. Vorteil dieses Verfahren ist die spannungsfreie Reparation. 

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TAPP

Bei der laparoskopischen Methode wird ein 10x15 cm großes Kunstoffnetz zwischen Bauchfell und Bauchwand plaziert. Hierdurch werden sämtliche Schwachstellen der Bauchdecke in der Region bedeckt. Das Netz wird  je nach Bruchlückengröße mit kleinen Titanclips oder Fibrin an der Bauchdeckeninnenseite befestigt. Vorteil dieser Methode ist die absolute Spannungsfreiheit, mit der sämtliche Schwachstellen der Leistenregion verstärkt werden.


Wissenschaftliche Beurteilung

Grosse Übersichtsstudien geben bei dem offenen Nahtverfahren ohne Netzimplantation eine Rezidivrate (d.h. dass der Bruch wiederkehrt) von 10-15%  an (teilweise auch höher). Wird ein Netz zur Abdeckung der Bruchpforte verwendet, sinkt die Rezidivrate auf unter 1%. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Netz konventionell oder  endoskopisch eingebracht wurde.

Im deutschsprachigen Raum werden die verschiedenen Techniken unterschiedlich gewertet und häufig dem Patienten suggeriert ein Verfahren wäre grundsätzlich besser als das andere. Sicherlich kann man immer eine Studie zitieren, welche eine solche Argumentation stützt. Dennoch finden sich in der Literatur keine RCT ´s oder Kohortenstudien von hinreichender Qualität, mit denen der Nachweis gelungen wäre, dass ein grosser  Unterschied zwischen den endoskopischen oder offenen Verfahren mit Netzimplantation nachweisbar wäre. Kosmetisches Ergebnis, postoperative Schmerzen oder Vollbelastbarkeit sind nahezu gleich. Die Rezidivraten und postoperativen Komplikationen sind laut den vorliegenden Studien ebenfalls vergleichbar. Schwere unerwünschte Wirkungen (serious adverse effects - Komplikationen) treten allerdings häufiger bei den endoskopiechen Verfahren auf. Die endoskopieschen Verfahren werden deshalb bei uns nur bei Rezidivhernien und doppelseitigen Hernien angewandt und auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten.

Da wie gesagt die Unterschiede der einzelnen Verfahren gering sind, spielt das individuelle chirurgische Können und die individuelle Situation des Patienten eine immense Rolle.

Deshalb wichtig !!

Welche Methode für den Patienten die richtige ist, kann nur der behandelnde Chirurg entscheiden, der auch alle Methoden beherrscht. Herr Dr. Moser wird Sie individuell beraten und auf wissenschaftlicher Basis, die für Sie am besten geeignete Methode empfehlen. 

Risiko

Bei der ambulanten Versorgung von Leistenbrüchen besteht kein erhöhtes Risiko für einen weitgehend gesunden Patienten. Deshalb werden diese Operationen in den angelsächsischen Ländern fast ausschliesslich ambulant durchgeführt (siehe Statistik unten). 

  siehe auch: Nabelbruch (Nabelhernie)


siehe auch: 'Operation Hernia'