© Dr. Hartwig Liedtke      


Aktuelle Publikationen zur Osteopathie von Dr. Hartwig Liedtke 


Geschichte der Osteopathie                                                  Image

die Osteopathische Medizin wurde durch den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still, geboren 1828, Militärarzt und Chirurg, begründet. Er suchte einen ‚besseren’ Weg als die Schulmedizin, die zu seiner Zeit deutliche Grenzen aufwies. Der von ihm 1874 geprägte Begriff Osteopathie setzt sich zusammen aus Osteon (= Knochen, im Sinne des Bewegungsapparates) und Pathos (= die Leidenschaft, im Sinne der Zuwendung). Dieser Begriff ist gewiss veraltet und mißverständlich, hat sich aber weltweit durchhgesetzt und würdigt Stills Bemühen um diese revolutionären Behandlungs-methoden. Still ging davon aus, dass der Körper in der Lage ist, sich selbst zu heilen, dass sich die Struktur und Funktion gegenseitig bedingen. 

  Counterstrain-Technik zur Behandlung von

Schmerzen im Nackenbereich
  

Was unterscheidet die Osteopathie

                  von der sogenannten Schulmedizin?

Wie bei der Schulmedizin auch ist die Kenntnis der Anatomie, der Physiologie, der Biochemie, etc. des Menschen unerlässlich. Des weiteren müssen vor einer osteopathischen Behandlung sogenannte organische Leiden, die u.a. medikamentös, diätetisch oder sogar operativ behandelt werden müssen, ausgeschlossen werden. Sollte es sich bei dem Beschwerdebild des Patienten aber um eine somatische Dysfunktion, das heißt um Funktionsstörungen des Körpers handeln, die sich in chronischen Schmerzen, Verspannungen, Bewegungsstörungen, etc. äußern, dann sind die Osteopathischen Techniken eine wunderbare Möglichkeit, den Menschen wieder in seine ‚Mitte’ zu führen. Das mag manchem fremd erscheinen, aber es funktioniert. Die Amerikaner haben damit einen völlig neuen Behandlungsweg gefunden, dessen Ansatz auf einer grundsätzlich anderen Sichtweise auf den Patienten basiert, der später von den Europäern aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. 

Und es gilt wie immer der alte medizinische Grundsatz: Wer heilt, hat recht! 
  

Wo setzen die Osteopathischen Techniken an?

In der Osteopathie steht die 'Funktionelle Anatomie'  im Vordergrund, d.h. der dynamische Bauplan des Menschen mit seinen vielfältigen Strukturen und Funktionen sowie deren Steuerung. Hier werden nicht einzelne Körperteile wie Muskeln, Sehnen, Haut, Knochen, Gelenke, Nerven- und Gefäßsysteme, innere Organe, etc. isoliert voneinander betrachtet, sondern ihr Bezug zueinander und ihre gegenseitige Beeinflussung als Ursache möglicher Störungen gesucht und therapiert. Die Osteopathie begleitet und unterstützt die natürlichen Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus.
Um das zu erreichen, 'benutzen' die Osteopathen gemeinsame, alle Bestandteile des lebenden Organismus verbindende Strukturen: Die Faszien, das Bindegewebe

Die Faszien  sind feine und feinste miteinander vernetzte Fasern, Teile des Bindegewebes, die in der Frühphase der embryonalen Entwicklung des menschlichen Organismus angelegt werden, die alles mit allem verbinden, von oben nach unten, von außen nach innen und umgedreht. Im anatomischen Präparat lässt sich zum Beispiel nachweisen, dass die Hirnhäute mit den sehnigen Strukturen der Fußsohle in Verbindung stehen (Thomas W. Myers, Anatomy Trains, Elsevier 2009) oder kollagene Fibrillen sogar Zellwände und -membranen durchziehen und im Innenraum einer Zelle ein Gerüst bilden, in dem intrazelluläre Strukturen wie Zellkern, Mitochondrien etc. aufgehängt sind. Überholt ist die Lehre von der 'Leere' einer Zelle, in der ihre Bestandteile losgelöst voneinander in einer Flüssigkeit umher schwimmen.


Alles ist mit allem verwoben, wie ein großes Tuch, nur dreidimensional. Zieht man am einen Ende, verwirft sich das Gewebe an mehreren anderen Stellen zu Falten. Soll zeigen, wie eng die Strukturen miteinander verflochten sind. So muss ein Ort maximaler Beschwerden nicht immer identisch mit der Region sein, die ursächlich für die Störung, die somatische Dysfunktion verantwortlich ist. Chronische Beschwerden im Rücken- oder Beckenbereich können z.B. zu Fehlfunktionen im Fuß oder in der Nackenregion mit Kopfschmerzen führen.


 

 

Faszien sind die 'Haut' der inneren Strukturen wie Nerven, Gefäße, Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln, Organe, etc. 

Osteopathische Techniken bedienen sich der alles mit allem verbindenen Faszien, um Fehlfunktionen des Organismus zu mindern oder zu beseitigen.

Die Fazien-Systeme sind quasi das Werkzeug, der Hebel  des Osteopathen

Wenn Sie mehr über Faszien wissen wollen, schauen Sie sich den spannenden Beitrag von Quarks + Co im WDR an. 


 Osteopathische Verfahren (Auswahl) DGOM



Myofasziale Entspannungstechniken

Ziel dieser Verfahren ist das Lösen von akuten und chronifizierten myofaszialen (muskel-bindegewebigen) Spannungen, um wieder eine ausgeglichene, normale Gewebespannung mit Verbesserung der Beweglichkeit ohne Schmerzen herzustellen.

Anwendungsbeispiele:

  • Muskelfunktionsstörungen
  • Chronische muskuläre Schmerzen an der Wirbelsäule und an den Extremitäten
  • Tendo-Myopathien im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten
  • Behandlung von Narben mit Haut- und Muskelverklebungen
  • Dysfunktionen im Bereich des oberen Brustkorbes, des Zwerchfells und des Beckenbodens

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sog 'Schock'-Release

zur Detonisierung des Solarplexus, des Sonnengeflechtes, der Schaltzentrale des Sympathischen Nervensystems im Oberbauch

  


Muskelenergie Technik (MET)

Dieses Osteopathische Verfahren, das der Amerikaner F.Michell (ca. 1950) entwickelt hat, arbeitet mit einem Wechsel von (isometrischer) Anspannung und Entspannung des muskulo-skelettalen Systems, um funktionelle Blockaden zu lösen und damit Schmerzen zu mindern oder zu beseitigen. Diese Techniken beinhalten auch die Behandlung mit Impuls (siehe auch Manuelle Therapie).

Anwendungsbeispiele:

  • HWS-/BWS-/LW- Beschwerden
  • Becken- und Ileosacralgelenksdysfunktionen
  • Rippen-Dysfunktionen
  • Dysfunktionen aller Extremitätengelenke
  • Muskuläre Dysbalancen im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten
  • Verkettungssyndrome

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Behandlung von Bewegungsstörungen und tiefliegenden Schmerzen mit rechten Gesäß mit fazilitierenden Techniken
  

  

Funktionale Techniken

Diese Verfahren nutzen die Reflexbögen am Rückenmark und dem zentralen Nervensystem, um insbesondere bei akuten aber auch bei chronischen Krankheitsbildern eine Linderung oder Schmerzfreiheit zu bewirken.

Anwendungsbeispiele:

  • Akuter Schiefhals
  • Schmerzen im oberen Brustwirbelsäulenbereich
  • chronische Dysfunktionen des Beckens der unteren Wirbelsäule
  • Anwendung in Kombination mit anderen osteopathischen Techniken

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Schmerzen in der re Leiste werden nach Ausschluß eines Leistenbruchs mit einer Kombination aus Counterstrain und Myofacial Relase behandelt.



Viszerale Osteopathie

Diese Techniken behandeln Dysfunktionen der viszeralen Organe (Eingeweide) und deren fasziale Verbindungen zu benachbarten und/oder mit ihnen in Verbindung stehenden muskulo-skelettalen Regionen.

Anwendungsbeispiele:

  • Funktionelle Oberbauchbeschwerden, Reizmagen
  • Refluxkrankheit (unzureichender Verschluss des Mageneingangs)
  • Funktionelle Darmsyndrome wie spastischer Dünn- oder Dickdarm
  • Narbige Verwachsungen nach Entzündungen und Operationen im Bauchraum
  • Chronisch funktionelle Oberbauchbeschwerden
  • Coccygodynie (chronische Steissbeinschmerzen) 

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Chronische, therapieresistene rechtseitige Schulterschmerzen können auch durch eine Dysfunktion des faszialen Aufhängeapparates der Leber unterhalten werden. Hier erfolgt die Mobilisierung der Leber durch sogenanntes Lifting.


 

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 Reflux-Beschwerden durch mangelhaften Verschluss des Mageneingangs können ebenfalls mit diesen Techniken behandelt werden. Zwar ist keine grundsätzliche Veränderung der Anatomie möglich, jedoch gelingt es, die Einnahme von Magensäure-Produktion hemmenden Medikamenten und damit die Beschwerden deutlich zu mindern.


Craniosacrale Techniken 

Die Craniosacrale Therapie wurde von dem Amerikaner William Garner Sutherland begründet, der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts über einen Zeitraum von ca. 50 Jahren mit Schädelbewegungen beschäftigt und daraus die Theorie des Craniosacralen Systems entwickelt hatte. 

Die Craniosacrale Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass der Liquor cerebrospinalis (die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült) rhythmischen Bewegungsmustern folgt, die sich auf das umgebende Gewebe und und die Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen des Schädels werden als gegeneinander beweglich angesehen.
Durch Berührung von Kopf und /oder der Wirbelsäule erfühlt der Therapeut eventuelle Blockaden dieser Bewegung und schließt dadurch auf Fehlfunktionen im Bereich des Körpers oder des Schädels. Sanfte Manipulationen lösen diese Blockaden, mindern oder beseitigen mögliche Dysfunktionen und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Organismus.

Anwendungsbeispiele:

  • Chronische Kopfschmerzen (bes. Spannungskopfschmerzen)
  • Chronische Schwindel, nicht organischer Ursache
  • Chronische Sinusitis (Abflußverbesserung durch Drainagetechniken, Gesichtsschädelbehandlung)
  • Trauma-Folgen (bes. Schädel, Wirbelsäule, Becken)
  • Psychovegetative Erkrankungen (in Verbindung mit Verhaltensänderungen und ggf. psychotherapeutischen Maßnahmen)
     


Strain und Counterstrain

Der US-amerikanische Osteopath Lawrence H. Jones veröffentlichte 1960 erstmals das gesamte Konzept von Strain und Counterstrain. Er entdeckte nach vielen Jahren eigener osteopathischer Tätigkeit, dass die Lagerung eines Patienten in einer schmerzfreien Position zu einer drastischen Reduktion seiner Schmerzen und zu einer Beseitigung einer funktionellen Bewegungsstörung führen kann. Ferner fand er heraus, dass bei nahezu jeder muskulären Dysbalance und Funktionsstörung an bestimmten Körperstellen schmerzhafte Druckpunkte (sog. Tenderpoints)  im Gewebe entstehen.

Bei der Behandlung wird das betroffene Körperteil passiv in eine Position der minimalen Schmerzhaftigkeit oder anders, der größten Schmerzfreiheit geführt. Die schmerzfreie Position wird für 90 Sekunden beibehalten, danach führt man das betroffene Areal langsam in die neutrale Position zurück. Durch diese Lagerung in einer schmerzfreien Position wird die Belastung und damit die fehlerhafte Meldung unterbrochen. So vermindert sich der dysfunktionale Reflex der Propriorezeptoren (Lagerezeptoren). Diese Tenderpoints werden sowohl zur Diagnostik als auch zur Kontrolle der Behandlung eingesetzt. Interessanterweise werden sie bei fast allen Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen gefunden.
Jeder Tenderpoint (mehr als 200 sind bekannt) in der Muskulatur steht für eine spezifische Gelenksdysfunktion.

Durch die Behandlung des schmerzempfindlichen Punktes kommt es schon während der Lagerung zu einer für den Patienten als ausgesprochen wohltuend empfundenen Schmerzreduktion.
Durch die richtige Positionierung wird es den Muskelspindeln ermöglicht, sich neu zu programmieren.

Anwendungsbeispiele (kleine Auswahl):

  • chronische Schmerzen in der Achillessehne (Achillodynie)
  • Fersensporn - Wer mehr dazu wissen möchte, klickt bitte - hier -
  • Chron. Schmerzen im Bereich der Kniescheibe (z.B. Patellasehnen-Syndrom, sog. retropatellarer Schmerz, etc.)
  • Tennisarm (Epicondylitis radialis humeri)
  • Schmerzen an der hüftgelenksnahen Oberschenkelaußenseite (sog. Bursitis trochanterica)
  • chonische Steißbeinbeschwerden (Coccygodynie)
  • Schmerzen in der Beckenregion / in der tiefen Gesäßmuskulatur (z.B. Piriformissyndrom)

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Adduktorenzerrung

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Chronische Schmerzen in der Achillessehne

(Achillodynie)

  

  

Mögliche Reaktionen auf die Behandlung

bei 20 bis 30% der Patienten kann es (nur beim ersten Mal) es zu leichten Grippe-ähnlichen Symptomen kommen (Gliederschmerzen und Schwächegefühl) - nach 24 bis 48 Stunden sind die Symptome wieder verschwunden


Verhaltensregeln nach der Behandlung

  • Der Patient sollte nach der Behandlung nicht testen, ob die Schmerzen noch auslösbar sind (das ‚plastische Gedächtnis’ des Gewebes ist noch erhalten und darf nicht unterstützt werden)
  • Extreme Bewegungen sollten für drei Tage vermieden werden
  • Alle schmerzhaften Bewegungen sollten unterlassen werden
  • Man sollte nicht wieder in die 'alte' schmerzhafte Position gehen
  • Viel trinken für drei Tage! Möglichst Wasser!
  • Dehydrierende Getränke wie Alkohol, Kaffee, Säfte oder Tee für drei Tage meiden