Morbus Dupuytren (Dupuytren'sche Kontraktur, "krummer Finger",

                   Fibromatose der Palmarfaszie, Faszienfibrose der Hohlhand)

Am Anfang klagen die Patienten (mehr Männer als Frauen) kaum über Beschwerden. Sie tasten leichte knotige und strangförmige Veränderungen in der Hohlhand (Stadium I).
Später können diese derben Strukturen aber schmerzhaft und damit lästig werden und im weiteren Verlauf zu einer fehlenden Streckfähigkeit der Finger (bevorzugt  Klein- und/ oder Ringfinger) führen.
Aber erst wenn die Greiffunktion und Feinmotorik der Hand behindert ist und damit die Arbeit oder selbst einfache Verrichtungen des täglichen Lebens nicht mehr möglich sind, wird der Morbus Dupuytren zu einem ernsten Problem.



Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

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Vor der Behandlung / Operation

Hier ist ein derber Narbenstrang sichtbar, dessen multiplen Verzweigungen in die Tiefe der Hohlhand und bis zum Endgelenk des Kleinfingers reichen

   

  • Konservativ

In der Literatur finden sich viele Ansätze, den Morbus Dupuytren mittels konservativer Behandlung (Krankengymnastik, Kortison-Injektionen etc.)  zu behandeln oder zumindest zu bändigen, leider ohne wirklichen Erfolg.

  • Bestrahlung

Auch die Bestrahlung ist eine Möglichkeit, ohne Operation die Ausbreitung eines Morbus Dupuytren zu verhindern. Nur darf man die Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Strahlentherapie wie Ulzerationen (Geschwüre in der Hohlhand), Nervenschädigungen, Narbenstrikturen, Gefäßveränderungen oder sogar bösartiges Gewebewachstum nicht  unterschätzen. In einer Studie von Dufourmentel (1988) beträgt das Risiko für einen Hautkrebs nach einer Strahlenschädigung (Radiodermatitis) der Hand immerhin 20%.

  • Injektion von Xiapex 

    (Kollagenase aus dem Bakterium Clostridium histolyticum)

Seit Mai 2011 stand mit der Kollagenase-Injektionslösung (Xiapex der Firma Pfizer) eine konservative neue Therapieoption zur Verfügung. Dabei sollte das Mittel direkt in den Strang injiziert werden. 24 Stunden später wurde dann (ggf. in örtlicher Betäubung) eine mechanische Fingerstreckung durchgeführt. Diesen Eingriff konnte man einen Monat später noch einmal wiederholen.
In den Studien werden Rezidive (ein Wiederauftreten der Fingerkontrakturen), Nervenschädigungen und Beugesehnenrupturen beschrieben.
Jedoch zweifelt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Zusatznutzen dieser Injektionstherapie an. Lesen Sie dazu mehr ...

U.a. als Konsquenz daraus nahm der Hersteller Pfizer am 16.5.2012 Xiapex vom deutschen Markt.
Diese Therapieform steht also hier in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Lesen Sie dazu mehr ...

  • Operative Techniken

Sind in der Hohlhand nur Verhärtungen tastbar, alle Finger aber vollständig streckbar (Stadium I), verbietet sich eine Operation, da es mit Sicherheit sonst zu einem Rezidiv kommen würde.

          A. Die Nadelfasziotomie

auch Fibrosenperforation genannt, zählt zu den am wenigsten invasiven Behandlungsstrategien des Morbus Dupuytren. Sie kann in örtlicher Betäubung erfolgen und dauert oft nur wenige Minuten. Es wird mit einer Nadel oder einem sehr feinen Messer durch die Haut gestochen und der Strang an mehreren Stellen durchtrennt. Anschließend erreicht man mit einer kraftvollen Streckung des Fingers das Zerreißen der noch verbliebenen Restfasern. Dieses Manöver geschieht allerdings nicht unter Sicht sondern blind. Das ist eines der Hauptkritikpunkte. Bei ungewöhnlichem Verlauf der benachbarten Nerven ist eine Nervenverletzung möglich. Dieses führt zur permanenten Taubheit in den betroffenen Finger.  

         B. Die minimal invasive Strangteilentfernung

Zwischen dem kleinsten Eingriff (Nadelfasziotomie) zur Therapie des Morbus Dupuytren und der Standard-Operation existiert eine Zwischenlösung: Die minimal invasive Strangteilentfernung. Dabei wird in örtlicher Betäubung über dem zur Kontraktur führenden Strang ein kleiner Schnitt angelegt, der 1-1,5cm lang ist. Der Dupuytren-Strang wird unter Sicht mit der Lupenbrille dargestellt und durchtrennt. Nun greift man sich die jeweiligen Enden und entfernt so viel, wie unter Sicht möglich (meist 1-2 cm in beide Richtungen). Dieses kann man an mehreren Stellen durchführen. Schließlich werden die Schnitte vernäht. Diese Op-Technik bietet sich insbesondere in den Fällen bei langsam wachsende Strängen, einer übersteigerten Angst vor der klassischen Operation und dem Wunsch nach einer schnellen Einsatzbereitschaft der Hand an.
Der Eingriff ist invasiver als die Nadelfasziotomie, jedoch ist die Hand deutlich schneller wieder einsatzfähig (meist nach 2-3 Wochen) als bei der klassischen Operation. Im Gegensatz zur Nadelfasziotomie wird unter Sicht operiert, so das Nerven, Gefäße und Sehnen adäquat dargestellt und geschont werden können, selbst wenn ihre Lage durch die Strangbildung untypisch ist.
Leider muß hierbei mit einem früheren Kontraktur-Rezidiv gerechnet werden.

       C. Die Standard-Operation

Ist der Morbus Dupuytren weiter fortgeschritten, wird in 'Blutleere' und unter Verwendung einer Lupenbrille nach zickzackförmigem Hautschnitt das krankhaft veränderte Gewebe freigelegt und radikal bis in die Tiefe der Hohlhand entfernt, um einem Rezidiv vorzubeugen. Bei der Operation müssen die Nerven und Gefäße der Hand geschont werden. Schon ein zu starkes Quetschen eines Nerven kann bleibende Schäden verursachen. Manchmal sind spezielle Hautverschiebungen (Z-Plastiken, Verschiebelappenplastiken) erforderlich, um nach der Fingerstreckung die Haut möglichst spannungsfrei zu verschießen. Wundheilungsstörungen (insbesondere bei Rauchern) sind dabei nicht selten.  

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In der Anfangsphase der Operation

Hier ist ein derber Narbenstrang sichtbar, dessen multiplen Verzweigungen in die Tiefe der Hohlhand und bis zum Endgelenk des Kleinfingers reichen

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Nach der Operation

Nach dem Setzen zusätzlicher Hautschnitte
- zweier Z-Plastiken -
ist ein spannungsfreier Wundverschluss möglich


Selbst wenn es sich um einen erfahrenen und sorgfältigen Operateur handelt, so kann man den Morbus Dupuytren durch einen Eingriff nicht heilen. Ziel ist möglichst viel des veränderten Gewebes zu entfernen, damit es viele Jahre dauert, bis sich wieder ein Knoten oder Strang zeigt.