Marisken (Analfalten)

Auf den ersten Blick ist es etwas überraschend, dass in unserem Zeitalter der schnellen technologischen Entwicklungen und medizinischen Fortschritte, das Wissen über eine der häufigsten Affektionen des Menschen äußerst begrenzt ist. Obwohl 70-80% aller Menschen in Ihrem Leben mit Marisken zu rechnen haben, existiert so gut wie nichts darüber in der neueren medizinischen Literatur und wenn, dann entbehren die Publikationen meist jeder wissenschaftlichen Grundlage. Es herrscht unter Kollegen noch nicht einmal Einigung darüber, ob Marisken unter bestimmten Umständen behandelt werden müssen oder ob es sich um einen rein kosmetischen Eingriff handelt. Vor allem Frauen finden Marisken als kosmetisch störend und wünschen eine operative Entfernung. Bei größeren Marisken kann z.B.  das Tragen eines String-Tangas Beschwerden bereiten. FKK, Saunabesuche und das Entkleiden vor anderen Personen führen oft zu Schamgefühlen und in seltenen Fällen kann es zu Partnerproblemen kommen. Dennoch überhören Chirurgen oft diese Mitteilungen und ordnen den Marisken keinen eigenen Krankheitswert zu. Sie fertigen die Patientinnen in paternalistischer Weise ab, anstatt mit Ihnen gemeinsam zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen, die medizinisch vertretbar ist und die diese Patientinnen zufrieden stellt.

Marisken sind hautfarbene Knoten oder Läppchen am äußeren Analrand, die einzeln auftreten, oder aber auch zu mehreren und zirkulär den gesamten After kranzförmig umgeben können. Sie kommen in jedem Alter vor. Bei Frauen ist ab dem 2. Lebensjahrzehnt, bei Männern ab dem 4. Lebensjahrzehnt mit der Erstmanifestation zu rechnen. Ihr Name kommt aus dem Französichen (marisque), da der äußere Aspekt einer Feige ähnelt. Sie sind in der Regel von weicher Konsistenz, können aber auch nach mehrfachen  Entzündungen fibrosieren und als derbe Knoten imponieren. Auch ihre Größe ist sehr variabel und reicht von Erbsen- bis Kastaniengröße. 

 

Indikationen zur chirurgischen Intervention

Bei verdächtigen Befunden sollte in örtlicher Betäubung eine Probebiopsie oder Totalbiopsie mit der elektrischen Schlinge oder Schere durchgeführt werden. Die Wunde wird offen gelassen. Die Wundheilung dauert in der Regel 2-3 Wochen. Ein Wundverschluss birgt die Gefahr der Abszessbildung und ist meist mit mehr Schmerzen verbunden.

Bei ekzematösen Hautveränderungen im Bereich des Afters sollten nicht automatisch Marisken als Ursache der Erkrankung angesehen werden, sondern zunächst andere koloproktologische Erkrankungen wie z.B. Hämorrhoiden, Rektumprolaps oder Diarrhoe ausgeschlossen werden.

Dann sollte die Analhygiene optimiert werden und allergisierende Substanzen wie Duftstoffe in feuchten Toilettenpapieren oder Duschgels vom Patienten gemieden werden. Am besten erfolgt die Reinigung des Afters mit klarem Wasser (Bidet/Duschtoilette oder Handbrause). Weiche Zinkpaste DAB 10 und Analvorlagen unterstützen bei Rhagaden die Regeneration der Haut. Führen all diese Maßnahmen nicht zu dem gewünschten Erfolg und hat man den Eindruck, die derben, fibrotischen Marisken stellen eine Art Fremdkörper zwischen den Gesäßhälften dar, welche die angrenzende Haut irritieren, sollten diese Marisken operativ entfernt und anschließend auch histologisch untersucht werden, um ein sporadisch auftretendes Analrandkarzinom nicht zu übersehen.

Das eigentliche Indikationsproblem stellt sich bei „weichen Marisken“. Hier wird oft eine „Kotfänger Funktion“ konstatiert, welche über die dadurch bedingte erschwerte Analhygiene zur Reizung der Haut führt. Dies mag bei ausschließlicher Verwendung von Toilettenpapier nachvollziehbar sein, kann aber auf Grund allgemeiner Erfahrung immer durch die Verwendung von Bidet/Duschtoilette oder Handbrause gelöst werden. Verweigert der Patient eine Umstellung seiner Analhygiene oder wünscht er aus kosmetischen Gründen eine Operation, so kann zwar seinem Wunsch entsprochen werden, dies sollte dann aber nicht mehr zu Lasten der Krankenkasse durchgeführt werden.

Chirurgische Verfahren bei „elektiver“ Operation

Die Entfernung von Marisken kann mit der Schere, dem Elektrokauter oder dem CO2 Laser erfolgen. Glaubt man den Erfahrungsberichten der behandelten Patienten in verschiedenen Foren im Internet, so scheint das Laserverfahren die geringsten postoperativen Schmerzen zu verursachen. Studien, die diesen Eindruck zweifelsfrei belegen, finden sich leider nicht in der wissenschaftlichen Literatur.

Der Laser hat neben dem Nachteil der höheren Kosten, jedoch einige Vorteile wie:

  • die  gleichzeitige Blutstillung
  • die exakte und präzise „Schnittführung“ und
  • die sofortige Wundverkleinerung durch die hitzeinduzierte Schrumpfung des Gewebes im Bereich der oberen Schichten (ca. 1mm) - und nicht wie bei der Diathermie auch der tieferen Schichten (bis zu 1 cm!).

    All diese Vorteile können vielleicht tatsächlich eine postoperative Schmerzreduktion bewirken.

 

  

Wir empfehlen

die Operation der Marisken 

mit dem CO2 Laser