Analer Juckreiz

An sich keine eigene Erkrankung sondern ein Symptom verschiedener krankhafter Vorgänge und Zustände.
In den meisten Fällen kann die Ursache dafür gefunden werden. Häufigkeitsgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, selten bei Kindern, dort meistens durch Wurmbefall verursacht.
Als Ursachen kommen zahlreiche dermatologische, allergologische und proktologische Erkrankungen in Frage.

Ursachen:
Analekzem, Psoriasis, Mycosen, Condylomata acuminata, Marisken, Fissuren, Fisteln, Kryptitis, anale Inkontinenz, Hämorrhoiden, rektoanale Tumoren, exogene Noxen.

Diagnostik:
Inspektion, Rekto- Proktoskopie, Abstrich, Stuhluntersuchung, gelegentlich Proben-Entnahme und histologische Untersuchung.

Therapie:

  • Kausal , d.h. Beseitigung der Ursachen
  • Symptomatisch, Sitzbäder, lokale Applikation von Zinkpaste-Zinksalbe zur Abdeckung der Haut, kurzzeitig für max. eine Woche  cortisonhaltige Cremen oder Salben
  • Seltenst: Exzision der juckenden Haut nach Erfolglosigkeit aller anderen Maßnahmen.

Prophylaxe:
Analhygiene, vorsichtige Reinigung mit Wasser oder rückfettenden Substanzen,

Meiden Sie schwer metallhaltiges Toilettenpapier; meiden Sie alkohol- und

parfumhaltige Feuchttücher!


Analekzem


  • Irritativ – toxisches oder kumulativ – toxisches Ekzem (ca. 30%)

Reaktion der Haut auf externe Irritantien ohne Entwicklung spezifischerv Immunreaktionen.

Ursachen:
Proktologische Erkrankungen mit Sekretabgang, Inkontinenz, Prolaps, Hautschädigung, Tumore, irritative Substanzen (Metallsalze), mechanische Irritationen
Therapie:
Ausschaltung der Noxen, Sanierung begleitender proktologische Erkrankungen, symptomatische Therapie siehe oben.

  • Atopisches Ekzem (endogenes Ekzem) (ca. 25%)

Genetisch bedingte Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhaut gegenüber Umweltstoffen.

Diagnostik:
Meist auch andere Prädilektionsstellen an Knie und Ellbeugen, weißer Dermographismus.
Therapie:
Kurzfristig Cortisonsalben oder Cremes, Teersalben, UV-Licht.

  • Das allergische Kontaktekzem (ca. 40%)

Ursachen:
Reaktion der Haut mit spezifischer immunologisch vermittelter Entzündung (Hypersensitivitätsreaktion) auf externe Fremdstoffe (in Pflegestoffen, Intimspray, Salben, Feuchtücher, Toilettenpapier, ...) 
Allergene:
sind u.a. Duftstoffe, Kamillenextrakt, Lidocain, Chininsulfat, Menthol, etc.
Diagnostik:
Allergennachweis.
Therapie:
Absetzen der Irritanzien, Zinkpaste (Pasta Zinci mollis ), kurzzeitig Cortisonsalbe.
Differentialdiagnose:
Psoriasis inversa, Erythrasma, perianale Streptokokkendermatitis, anale Candidose, Morbus Bowen, Morbus Paget, Lichen ruber planus, Lichen sclerosus et atrophicus.

  • Psoriasis inversa

Juckende, hochrote, nicht schuppende Hautentzündung, häufig mit Rhagade (Riss)  in der Rima ani (Analfurche).

Auslösende Faktoren:
Sekrete, Schweiß.
Diagnostik:
Gegebenenfalls durch histologische Untersuchung.
Therapie:
Fettsalbe,Cignolin-Salbe, Farber-Harrison-Paste I, Vorstellung an der Haut-Ambulanz.

  • Erythrasma

Infektiöse Hauterkrankung durch das Coryne-Bakterium Minutissimum. Großflächiger, trockener, schuppender, scharf umschriebener Herd von hell- bis dunkelbrauner bis rötlicher Farbe.

Symptome:
Juckreiz und Brennen, häufig Mazeration,
Diagnostik:
Wood-Lampe
Therapie:
Erythromycinhältiges Gel, 2 mal täglich für 7 Tage auftragen, ev. Erythromycin 500 mg 2 mal täglich oral über 2 Wochen bei Rezidiv.

  • Perianale Streptokokkendermatitis

Perianales, scharf begrenztes Erythem, exsudativ mit Pustelbildung.

Auslöser:
Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A.
Erregernachweis durch Kultur.
Symptome:
Juckreiz (besonders nachts), Brennen, Schmerzen, Nässen
Formen:
akut, subakut, chronisch.
Bild:
Erythem, Pappeln, Seropapeln, Bläschen, Erosionen, Lichenifikation, fast nie Schuppen.
Therapie:
Penicillin, Erythromycin.

  • Analmykosen

1. Anale Candidose

Erreger:
Candida albicans, selten Candida tropicalis.
Diagnostik:
Stuhluntersuchung, perianaler Hautabstrich, Ausstrich auf Pilznährboden
Symptome:
Juckreiz, Analekzem.
Bild:
Scharf begrenzter, intensiv roter Bezirk mit peripheren Satelliten.

2. Anale Tinea

Ursache:
Dermatomykose durch Fadenpilze (Trichophyton rubrum) verursacht.
Symptome:
Juckreiz.
Bild:
Scharf begrenzte rot bis rötlich-braune Herde mit randbetonter Schuppung. Abheilung vom Zentrum her, kontinuierliche Ausdehnung.
Diagnostik:
Inspektion, Erregernachweis aus Schuppenmaterial.
Therapie:
Topische Antimycotika (Canesten-Creme, Dactarin-Creme, Mycostatin) bei Versagen:
orale Therapie mit Nizoral, Griseofulvin → u.ä. über 4 Wochen